Ein Unfall auf der Landstraße oder ein Herzinfarkt im Supermarkt – plötzlich muss Erste Hilfe geleistet werden. Auch in Corona-Zeiten haben Menschen, die als Erste an einer Unfallstelle eintreffen, die Pflicht, Erste Hilfe zu leisten. Selbstverständlich ist man in Zeiten einer Pandemie stark verunsichert, wie man sich richtig verhält, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Wir sagen Ihnen, was Sie beachten müssen, wenn Sie als Erster am Unfallort eintreffen.

Hygienemaßnahmen sollten bei der Ersten Hilfe immer beachtet werden – Einweg-Handschuhe sind daher fester Bestandteil des Verbandskastens im Auto. In Zeiten von Corona sollten Sie die Handschuhe sofort anziehen und helfen! Auch ein Mundschutz – für den Ersthelfer und wenn möglich auch für die verletzte Person – verringert das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Wenn eine Person nicht bei Bewusstsein ist, muss die Atmung kontrolliert werden. In der aktuellen Corona-Situation soll sich die Atemkontrolle laut dem Deutschen Rat für Wiederbelebung jedoch auf das Überstrecken des Nackens mit Anheben des Kinns und die Beobachtung etwaiger Brustkorbbewegungen beschränken. Helfer müssen sich derzeit nicht dem Gesicht des Betroffenen nähern, um Atemgeräusche zu hören oder einen Luftzug zu spüren.

Auch schon vor Covid-19 galt: Eine Atemspende (Mund-zu-Mund- bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung) durchzuführen ist für Laien nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist aber, dass Sie bei bewusstlosen Personen mit keiner oder keiner normalen Atmung durchgehend eine Herzdruckmassage ausführen, bis professionelle Helfer übernehmen. In diesem Fall können Sie zum Eigenschutz den Mund und die Nase des Betroffenen mit einem luftdurchlässigen Tuch abdecken.

Wie auch im Alltag gilt: waschen Sie sich nach der Hilfeleistung gründlich Ihre Hände und desinfizieren Sie diese.

Fünf Erste-Hilfe-Tipps: So retten Sie Leben

  1. An erster Stelle steht immer die eigene Sicherheit: Halten Sie, wenn möglich, einen Mindestabstand von 1,50 Meter. Ist näherer Kontakt notwendig, tragen Sie einen Mundschutz und bedecken Sie wenn möglich Mund und Nase der verletzten Person.
  2. Rufen Sie, wenn immer möglich, den Notruf 112 an, beruhigen Sie den Betroffenen und informieren Sie ihn darüber, dass Hilfe unterwegs ist. Bleiben Sie so lange beim Patienten, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.
  3. Bei einem Herz-Kreislaufstillstand sollte in der aktuellen Situation auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichtet und nur die Herzdruckmassage durchgeführt werden (100 bis 120 Mal pro Minute) – und zwar solange, bis der Rettungsdienst übernimmt.
  4. Der oder die Helfer (m/w/d) sollten den Einsatzkräften für den Fall einer möglicherweise nachträglich festgestellten Infektion bei dem Patienten die eigenen Kontaktdaten geben.
  5. Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, sollten weitestgehend zu Hause bleiben. Sollten sie dennoch Zeuge eines Notfalls werden, müssen sie abwägen, ob sie Hilfeleistungen an Fremden unter Rücksichtnahme auf die eigene Sicherheit durchführen wollen und eventuell andere auffordern zu helfen sowie den Notruf 112 wählen.

Wer keine Hilfe leistet, macht sich strafbar

Unterlassene Hilfe ist nach Paragraf 323c des Strafgesetzbuchs (StGB) strafbar, es droht eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Niemand muss sich selbst in Gefahr bringen. Aber das Absichern der Unfallstelle sowie das Absetzen des Notrufs sind auch in Corona-Zeiten für jedermann zumutbar.

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